Weil jeder etwas anderes braucht
Gabriele Graumann, Geschäftsführerin der Häuser zum Leben, gibt Antworten auf Fragen rund um das Thema „Betreutes Wohnen“. Was sind die Beweggründe für die schrittweise Einführung dieses Betreuungskonzepts? Wie sieht dieses aus?
Gabriele Graumann: In unserem Konzept „Betreutes Wohnen“ gehen wir auf den unterschiedlichen Bedarf der alten Menschen individuell ein.
Das Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser führt mit „Betreutem Wohnen“ schrittweise ein neues Leistungsangebot ein. Warum?
Gabriele Graumann: Das Durchschnittsalter unserer Bewohnerinnen und Bewohner hat sich seit der Gründung der Häuser zum Leben massiv erhöht und liegt derzeit bei 86 Jahren. Und auch der Bedarf hat sich verändert: Die Zahl der Pflege- und Betreuungsleistungen in den Häusern steigt kontinuierlich an; dazu trägt auch die Zunahme von Hochbetagtheit und Demenz bei. Wir müssen uns diesen Herausforderungen stellen und unser Leistungsangebot Schritt für Schritt umstellen.
An wen richtet sich „Betreutes Wohnen“?
Gabriele Graumann: „Betreutes Wohnen“ richtet sich an Menschen mit einer Pflegegeldeinstufung. Die Menschen leben in der eigenen Wohnung im Pensionisten-Wohnhaus, zusätzlich erhalten sie nach Bedarf Betreuungs- und Pflegeleistungen sowie eine Tagesbetreuung. Je nach körperlicher und geistiger Fitness gibt es verschiedene Gruppenaktivitäten. Diese können – je nach Bedarf – stundenweise oder ganztags in Anspruch genommen werden.
Was sind die Eckpunkte des neuen Betreuungsangebots?
In unserem Konzept „Betreutes Wohnen“ gehen wir auf den unterschiedlichen Bedarf der alten Menschen individuell ein. Ziel ist es, die Fähigkeiten der Bewohnerinnen und Bewohner so lange wie möglich zu erhalten und damit ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Wir orientieren uns bei unseren Betreuungsleistungen an der Alltagsnormalität. So können bei der Tagesbetreuung auch Tätigkeiten wie Kochen oder Bügeln gemeinsam verrichtet werden.
Beim Einzug wird der individuelle Pflege- und Betreuungsbedarf eines neuen Bewohners bzw. einer neuen Bewohnerin gemeinsam mit einer so genannten Case-Managerin erhoben und festgelegt. So bekommt in Zukunft jede/-r genau jene Pflege- und Betreuungsleistungen, die er oder sie braucht. Die jeweils zuständigen Case-Managerinnen arbeiten direkt in den Häusern, sie haben intensiven Kontakt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern und können damit auch sofort auf Veränderungen beim Betreuungs- und/oder Pflegebedarf reagieren.
Wir differenzieren mit dem neuen Modell unsere Leistungen nach dem Bedarf der Menschen besser aus: von unterstütztem Wohnen für Menschen, die keine Pflege brauchen über Betreutes Wohnen bis zu gepflegtem Wohnen für Bewohnerinnen und Bewohner, die rund um die Uhr Betreuung und Pflege durch qualifizierte Fachkräfte benötigen.
Wie profitieren künftige Bewohnerinnen und Bewohner vom neuen Betreuungsmodell?
Das Ziel von Betreutem Wohnen ist es, die vorhandenen Fähigkeiten der Bewohnerinnen und Bewohner zu stärken bzw. so lange wie möglich zu erhalten, damit der Aufenthalt im stationären Bereich verhindert bzw. so lange wie möglich hinausgezögert wird. Darüber hinaus wollen wir auch Menschen mit hohem Pflegebedarf einen weitgehend „normalen“ Alltag ermöglichen. Ein Beispiel: Wir planen in den Häusern zum Leben einen so genannten Marktplatz. Hier können Bewohnerinnen und Bewohner, die aufgrund von Gebrechlichkeit das Haus nicht mehr verlassen können, einkaufen gehen. Ein Geschäft wird ähnlich einer Greisslerei Lebensmittel verkaufen.
Was ändert sich für die derzeitigen Bewohnerinnen und Bewohner? Fürs Erste gibt es für die Bewohnerinnen und Bewohner direkt keine Veränderungen, da das Modell Betreutes Wohnen nur die Neuzugänge betrifft. In den kommenden Jahren können es sich unsere Bewohnerinnen und Bewohner aussuchen, ob sie ins neue System wechseln wollen. Ein Wechsel vom derzeitigen Modell in das neue Modell ist auf jeden Fall immer freiwillig!
Ab wann gilt Betreutes Wohnen?
Wir sprechen von einem Einstieg zum Umstieg. „Betreutes Wohnen“ startet Anfang 2012 und gilt vorerst nur für Neuzugänge, also nicht für die derzeitigen Bewohnerinnen und Bewohner.
Wie funktioniert künftig die Anmeldung und Aufnahme in die Häuser zum Leben?
Eine wichtige Änderung ist, dass sich Seniorinnen und Senioren nicht mehr vorsorglich anmelden müssen. Es ist in Zukunft völlig ausreichend, wenn sich die Menschen erst bei einem tatsächlichen Einzugsbedarf melden. Wir werden für jede/n einen passenden Platz finden. Sobald jemand einziehen möchte, meldet er oder sie sich beim Fonds Soziales Wien (FSW) und stellt einen Förderantrag.
Wenn ich schon vorgemerkt bin, ändert sich etwas für mich?
Alle Personen, die sich bereits seit vielen Jahren im KWP angemeldet haben, bleiben in der Bewerber-Evidenz, müssen sich aber, wenn sie einziehen wollen, an den FSW wenden.
Wie will sich das KWP in Zukunft in der Wiener Pflegelandschaft positionieren?
Als Anbieter für ein bedarfsgerechtes Angebot für Wiener Seniorinnen und Senioren. Wir stehen für ein differenziertes Leistungsangebot – von unterstütztem über betreutes zu gepflegtem Wohnen. Wir bieten das, was ältere Menschen brauchen – und das möglichst nah am gewohnten Alltag.
Wo kann ich mich näher über Betreutes Wohnen informieren?
Wir werden im Seniorenmonat Oktober 2011 in sechs unserer Häuser das neue Leistungsangebot vorstellen.
Sie möchten mehr Informationen zu „Betreutes Wohnen“? Wenden Sie sich an das Kundenservice der Häuser zum Leben Seegasse 9, 1090 Wien, Tel.: 313 99-0.