Verwenden statt verschwenden
„Tischlein deck dich“ heißt es bei der „Team Österreich Tafel“. Überschüssige, einwandfreie Lebensmittel werden gesammelt und an bedürftige Menschen verteilt. Von Beginn an mit dabei ist die ehemalige Volksschullehrerin Maria Eisenreich.
Jeden Samstag arbeitet die 65-jährige Pensionistin Maria Eisenreich freiwillig für sechs Stunden in der Lebensmittelausgabe in Erdberg.
Leben & Freude: Seit wann sind Sie bei der „Team Österreich Tafel“?
Maria Eisenreich: Ich bin seit März 2010 bei der Ausgabestelle des Wiener Roten Kreuzes, übrigens die einzige derartige in Wien, dabei.
Wie sind Sie zu dieser Freiwilligentätigkeit gekommen?
Da gibt es eine familiäre Verbindung. Mein Vater kam 1956 aus Ungarn nach Österreich und hatte dann als Dolmetscher beim Internationalen Roten Kreuz begonnen. Danach war er beim Österreichischen Roten Kreuz kaufmännischer Direktor. Ich selbst war beim Jugendrotkreuz und, während meines Studiums, half ich beim Blutspendebus mit. Letztes Jahr hörte ich dann zufällig von der „Team Österreich Tafel“ im Radio.
Was macht die „Tafel Österreich“ genau?
Das Ganze ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Roten Kreuz und Ö3. Wir versorgen bedürftige Haushalte mit Sozialpass mit den notwendigsten Lebensmitteln. Bei der Ausgabestelle in Wien kümmern wir uns jeden Samstag um zirka 140–160 Haushalte.
Und was genau ist Ihre Aufgabe dabei?
Es gibt die unterschiedlichsten Aufgaben, die die fünf bis acht Betreuerinnen und Betreuer übernehmen können. Da gibt es Aufgaben in der Administration, Ordnerinnen und Ordner, Fahrerinnen und Fahrer oder Arbeit in der Kundenbetreuung. Ich bin derzeit bei der Lebensmittelausgabe tätig und stelle den Leuten, je nach Haushaltsgröße, ihre Pakete zusammen.
Wie kann man sich die Klientel der „Team Österreich Tafel“ vorstellen? Wer stellt sich bei der Lebensmittelausgabe an?
Personen und Familien, deren Einkommen unter dem Mindestlohn liegen und die einen Sozialpass ausgestellt bekommen haben. Das überprüfen wir jedes Mal genau, um Missbrauch zu verhindern. Die Familien kommen auch oft mit Kindern, da kann es schon mal lauter werden.
Was fasziniert Sie an der freiwilligen Arbeit? Warum glauben Sie, dass diese so wichtig ist?
Ich bin dankbar, dass ich helfen kann und dass ich meine Zeit, meine Energie und mein Wissen einsetzen kann. Die Helferin bzw. der Helfer stellt so etwas wie eine ausgleichende Gerechtigkeit dar. Man erlebt dabei so viel. Ich stelle es mir zum Beispiel sehr schwer vor, wenn man um etwas bitten muss.
Welche Anerkennung bekommt man?
Ein einfaches Dankeschön ist oft schon so herzerwärmend. Ich erlebe immer wieder ein Gefühl der Sinnhaftigkeit. Es hat einen Sinn, was ich mache. Man spürt das. Freundinnen und Freunde sowie Kolleginnen und Kollegen zollen mir auch immer wieder Respekt für meine Arbeit. Vor Ort entstehen wahre Freundschaften.
Wie kann man Mitmenschen motivieren, ehrenamtlich tätig zu werden bzw. freiwillig mitzuhelfen?
Ich lebe alleine. Bei meiner Arbeit komme ich unter Menschen, habe Kontakt mit den unterschiedlichsten Personen. Man lernt auch im Alter noch Neues dazu. Zu helfen, empfinde ich als etwas Sinnvolles. Wenn ich am Abend nach Hause komme habe ich ein gutes Gefühl der Erschöpfung.