Interview: „Die Guppy-Zucht ist jeden Tag ein neues Erlebnis“
Robert Kratochwil züchtet seit 1965 Guppys – mit Erfolg. 1995 konnte der heute 78-Jährige einen Europameistertitel gewinnen, 1996 wurde er Vizeeuropameister.
"Leben & Freude": Was sollte man über den Guppy wissen?
Robert Kratochwil: Der Guppy ist ein äußerst anpassungsfähiger, kleiner Süßwasserfisch und kommt sowohl in kristallklaren, schnell fließenden Kleinstgewässern wie in größeren Lagunen mit brackigem Wasser vor. Er ist aber auch in Abwassergräben anzutreffen und übersteht, ohne Schaden zu nehmen, Temperaturunterschiede von mehr als 15 Grad Celsius. Seine Anpassungsfähigkeit und seine Vorliebe für Insektenlarven haben dazu geführt, dass er von den Kolonialmächten zur Bekämpfung der Malariamücken in den tropischen Gewässern weltweit angesiedelt wurde.
Was ist das Faszinierende an der Zucht?
Die Männchen sind sehr bunt und weisen zahlreiche Prachtmerkmale auf, sind sehr variabel und daher im Erscheinungsbild entsprechend unterschiedlich. Dies und seine rasche Generationenfolge haben den Guppy zu einem der beliebtesten Aquarienfische gemacht. Immerhin können Weibchen 20 bis 70 Junge pro Wurf lebend gebären. Bis zu drei Generationen können im Jahr gezüchtet werden. Die Guppy-Zucht ist daher jeden Tag ein neues Erlebnis.
Wie werden die Guppys unterschieden?
Zierfischliebhaberinnen und -liebhaber haben die Variabilität genutzt, um auf natürliche Art – nur durch gewissenhafte Zuchtauslese – die Guppys in zwölf Standards hochzuzüchten, die sich durch unterschiedliche Flossenformen voneinander unterscheiden. Darüber hinaus wurden die verschiedensten Farbschläge und Muster herausgezüchtet, sodass diese Fischart eine einzigartige Vielfalt aufweist. Damit ist sie für Wettbewerbe bestens geeignet.
Wie sieht Ihre Zucht aus?
Ich habe mich auf die Zucht vom Doppelschwert Wiener Smaragd, dem Triangel grau (metallic), pastellblau, dem Triangel halbschwarz, gelb/weiß und dem Triangel albino spezialisiert. In meinem Sommerhäuschen habe ich 40 Glasbecken mit 500 bis 1.000 Guppys – je nach Nachkommenschaft. Die Männchen und Weibchen jedes Wurfs werden getrennt voneinander aufgezogen. Nur die schönsten Exemplare werden für die weitere Zucht bzw. für Wettbewerbe behalten.
Wie oft wird gefüttert?
Gefüttert wird in kleinsten Portionen, dafür oft und abwechslungsreich. Nach dem Motto: „Wer frisst, bekommt. Wer nicht will, hat schon gehabt! Extrawürste gibt es nicht. Wenn ich eine Woche auf Urlaub bin, halten die Fische es gut ohne Futter aus.
Wie häufig muss das Wasser gewechselt werden?
Zwei Mal wöchentlich wird das Wasser gewechselt. Dafür steht ein 300 Liter Becken zur Verfügung, in dem das Wasser zwei Tage lang umgewälzt wird, ehe es zur Verwendung kommt. Dadurch wird das Wasser belebt, Chlorgase können austreten.
Ist der Guppy leicht zu züchten?
Ja, das ist er. Mit vier bis sechs Aquarien von 15 bis 54 Liter Inhalt, die auch übereinander gestapelt werden können, lässt sich schon ein Guppystamm aufbauen – entsprechendes Wissen vorausgesetzt, das wir von der Österreichischen Guppy-Gesellschaft aber gerne weitergeben.