Hilfe ist Ihr gutes Recht!
Wenn ältere Menschen Opfer einer Straftat werden, empfinden sie oft Scham – und gehen deshalb nicht zur Polizei. Hilfe in so einem Fall bietet der Weisse Ring, Österreichs größte Opferhilfsorganisation.
Christiane Hörbinger macht sich für den Weißen Ring stark.
TäterInnen gehen oft den einfachsten Weg. Deshalb suchen sie sich zunehmend ältere Menschen als Opfer für Raub, Diebstahl und Trickbetrügereien aus. Einer der Gründe dafür: der Verlust von nahestehenden Menschen und zunehmendes Misstrauen. Beides bringt ältere Menschen dazu, sich zurückzuziehen. Studien belegen, dass durch ein isoliertes Leben auch das Risiko erhöht wird, Opfer einer kriminellen Handlung zu werden.
Falsche Scham
Dazu kommt, dass ältere Menschen selten zur Polizei gehen, wenn sie Opfer einer Straftat werden. Sie fühlen sich hilflos und überfordert und machen sich Selbstvorwürfe wie „Hätte ich doch besser aufgepasst“ oder „Das ist doch alles meine eigene Schuld“. Auch die Angst vor der Abschiebung ins Altersheim oder vor weiteren Racheakten der Täterin bzw. des Täters lähmt sie. Außerdem erlebt eine Generation, die Kriege und Wirtschaftskrisen überstanden hat, eine erlittene kriminelle Handlung als „nicht so schlimm“.
Eine falsche Reaktion, wie man beim Weissen Ring weiß. Denn jede erlittene Straftat hinterlässt traumatische Spuren. Um darauf verstärkt hinzuweisen, ist die aktuelle Kampagne speziell SeniorInnen gewidmet.
Ziele der Kampagne sind:
● Vorurteile aufbrechen und auf die besondere Situation älterer Kriminalitätsopfer hinweisen;
● darauf aufmerksam machen, dass Opferschutz und Opferrechte gesetzlich verankert sind und Kriminalitätsopfer Anspruch auf Hilfe haben;
● über die Leistungen des Weissen Rings – insbesondere für SeniorInnen – informieren;
● Informationen über die Unterstützung durch die Stadt Wien und über Angebote der Stadt Wien für SeniorInnen, besonders im Hinblick auf deren Sicherheit.
Prominente wie Kammerschauspielerin Christiane Hörbiger oder Intendant Adi Hirschal unterstützen diese Aktion.
So wird geholfen
Der Weisse Ring kümmert sich seit mittlerweile mehr als 50 Jahren um Verbrechensopfer. Wie geholfen werden kann, ist unterschiedlich. Das reicht vom Von-der-Seele-Reden bis zur Prozessbegleitung. Die Praxis zeigt, dass gerade ältere Kriminalitätsopfer besondere Betreuung brauchen. Dazu zählen vor allem Hausbesuche, Begleitung bei Behördenwegen, aber auch materielle Hilfe. Apropos materielle Hilfe: Um den Opfern noch effektiver helfen zu können bzw. für noch bessere Aufklärung und Vorbeugung, hat die Stadt Wien im Jahr 2009 die jährliche Förderung für den Weissen Ring auf 50.000 Euro angehoben.
Was ist der Weisse Ring?
Gegründet wurde der Weisse Ring Österreich 1978. Er ist die größte österreichweite Opferhilfsorganisation und die einzige, die allen Verbrechensopfern (unabhängig von Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit bzw. religiöser, politischer oder sexueller Ausrichtung) offen steht. Er bietet Opfern vor allem professionelle Beratung und Betreuung, psychosoziale und juristische Prozessbegleitung und materielle Unterstützung. Finanziert wird die Unterstützung aus Spendengeldern. Im Auftrag des Bundesministeriums für Justiz steht den Opfern außerdem das Kompetenzzentrum Opferhilfe mit dem jederzeit erreichbaren Opfer-Notruf zur Verfügung. Mit Rat und Tat zur Seite stehen sieben Angestellte sowie mehr als 300 ehrenamtliche MitarbeiterInnen (PolizistInnen, PsychologInnen, JuristInnen, TherapeutInnen, SozialarbeiterInnen etc.).
Opfer-Notruf Weisser Ring: 0800/112 112