„Meine Frau lässt sich gerne verwöhnen“
Herbert Endl war zu Hause immer schon Chef in der Küche. War das Kochen während seiner Berufstätigkeit nur Notwendigkeit, wurde es in der Pension zu einem Hobby.
Herbert Endl ist ein leidenschaftlicher Koch und hat bereits zwölf verschiedene Kochkurse besucht.
Leben & Freude: Seit wann kochen Sie? Wie sind Sie zum Kochen gekommen?
Herbert Endl: Ich bin mit 23 Jahren von zu Hause ausgezogen. Und da habe ich damit begonnen, mir Kleinigkeiten zuzubereiten. Nach meiner Heirat habe ich dann auch für meine Frau gekocht. Wir waren beide berufstätig. Und da ich früher nach Hause gekommen bin, war es klar, dass ich fürs Kochen zuständig bin. So wie wohl in den meisten österreichischen Haushalten gab es schnelle Gerichte, meist Hausmannskost. Nur am Wochenende haben wir üppiger aufgekocht.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Kochkurs zu besuchen?
Ein Bekannter hat mir erzählt, dass er einen Kochkurs besuchen möchte, und mich gefragt, ob ich nicht mitkomme. Ich selbst wäre gar nicht auf die Idee gekommen, einen Kurs zu besuchen. Leider ist er dann überraschend gestorben und ich habe seinen Gutschein für einen Kurs „geerbt“. Da ist es mit dem Kochen dann so richtig losgegangen.
Mittlerweile haben Sie ihren zwölften Kurs besucht. Warum immer wieder Kurse?
Ich war vom ersten Kurs total begeistert. Es hat mir irrsinnigen Spaß gemacht. Vor allem hat mir gefallen, dass man selbst kocht und nicht nur einem Koch beim Arbeiten zusieht. Außerdem sind die Kurse sehr praxisorientiert. Das heißt, man nimmt viel an Wissen mit, das man zu Hause gleich anwenden kann. Bei jedem Kurs lerne ich immer wieder etwas Neues. Zum Beispiel habe ich zu Weihnachten eine Ente serviert. Beim Kurs habe ich gelernt, dass ich sie bereits am Vortag fertig braten kann. Am Weihnachtsabend habe ich sie nur mehr aufgewärmt. Sie war herrlich knusprig und hat wunderbar geschmeckt. Mir war vor den Kursen nicht klar, dass man das so gut vorbereiten kann. Außerdem bekomme ich Ideen, wie man Speisen kombiniert, und Inspirationen für neue Gerichte, denn letztlich kocht man zu Hause doch immer dasselbe.
Haben Sie ein Lieblingsgericht, das Sie immer wieder gerne kochen?
Am liebsten essen wir nach wie vor klassische österreichische Küche. Meine Frau liebt Eiernockerl, die könnte sie täglich essen, oder ein Kalbsgulasch.
Was sagt Ihre Frau zu Ihrem Hobby?
Sie ist einfach nur begeistert und lässt sich gerne verwöhnen. Die Küche ist mittlerweile ganz meine Domäne. Früher hat sie noch öfter mitgeholfen. Aber mittlerweile mache ich auch die Vorbereitungsarbeiten lieber selbst. Und dass ich die Küche nach dem Kochen auch wieder aufräume, versteht sich von selbst.
Ihr größter Reinfall?
Kochpannen gab es viele. Allerdings werden sie mit mehr Übung weniger. Ich erinnere mich an einen Hirschbraten. Ich hatte zu viel Mehl zum Stauben verwendet, die Sauce hätte ich ausstechen können. Auch Sauce hollandaise habe ich häufig ein zweites Mal gemacht, weil sie gestockt hat. Einmal hatte ich Gäste. Als Nachspeise hatte ich flüssigen Schokokuchen vorbereitet. Leider ist mir das Backblech beim Herausnehmen gekippt und das Backrohr stand unter Schokosauce. Bei den Kursen habe ich allerdings auch gelernt, wie man Pannen behebt und eventuell noch etwas retten kann.
Hat sich Ihr Umgang mit Lebensmitteln verändert, seit Sie Kochkurse besuchen?
Ja, ich verwende jetzt andere Lebensmittel als früher. Beispielsweise kaufe ich Erdäpfel nur noch auf dem Bauernmarkt. Diese sind viel länger haltbar und schmecken einfach viel besser. Ein anderes Beispiel ist Glutamat. Diese Würzmittel verwende ich nicht mehr. Wenn eine Speise gut gewürzt wird, braucht es auch kein Nachwürzen. Hin und wieder kaufe ich auch Lebensmittel, die ich früher nicht verwendet habe, wie zum Beispiel Trüffelöl als Zutat für eine getrüffelte Erdäpfelsuppe. Das ist zwar teuer, aber man kommt damit auch ewig aus.
Wie wichtig ist eine toll ausgestattete Küche?
Also eine neue Küche wäre schon eine tolle Sache. Ich hätte schon einige Ideen, wie ich unsere Küche umgestalten würde, zum Beispiel mit einem Backrohr in Sichthöhe, damit ich mich nicht bücken muss. Außerdem hätte ich gerne etwas mehr Platz. Leider sind das nur Wunschträume. Aber ich habe mir einen neuen Herd gekauft und natürlich Zubehör. Pfannen mit Teflonbeschichtung sowie gusseiserne. Mittlerweile hat mir meine Frau ein Pfannenkaufverbot erteilt. Gleiches gilt für Griller. Auch gute Messer und andere kleine Geräte habe ich gekauft. Und auch die Kochbücher werden immer mehr.
Haben Sie Ziele beim Kochen?
Ein erstes Ziel habe ich bereits erreicht. Ich lade Freundinnen und Freunde zu mehrgängigen Menüs ein. Früher hätte ich mir das nicht zugetraut. Aber bei den Kochkursen lernt man auch die Koordination und die Reihenfolge von Arbeiten, also von Vorbereitung über Zubereitung bis hin zur Fertigstellung. Ein Traum von mir wäre es, bei einem Kochwettbewerb wie der „Küchenschlacht“ mitzumachen. Das wäre eine schöne Herausforderung.