Übung macht den Meisterkoch
Hermine Hainke wohnt seit sieben Jahren im Pensionisten-Wohnhaus Rossau. Sie war früher Geschäftsführerin beim Konsum. Im Haus Rossau hat sie das Kochen als Hobby entdeckt und vor vier Jahren einen Kochklub gegründet.
Hermine Hainke hat in der Gemeinschaftsküche des Wohnhaus Rossau einen Kochklub gegründet.
Leben & Freude: Ich nehme einmal an, dass Sie auch früher gekocht haben. Haben Sie immer schon gern gekocht?
Hermine Hainke: Ich war schon immer eine leidenschaftliche Köchin. Mein Mann war bei der Bundesbahn und Generalsekretär bei der Koreanisch-Österreichischen Gesellschaft. Deshalb hatten wir auch oft internationale Gäste. Unser Speisezimmer bot Platz für acht bis zehn Personen. Selbstverständlich habe ich aber auch meine Familie, ich habe zwei Kinder, bekocht.
Wie oder bei wem haben Sie Kochen gelernt?
Ich habe mir das Wissen aus Kochbüchern angeeignet. Und da Übung bekanntlich den Meister macht, bin ich durchs Tun einfach besser geworden. Es war aber immer die Liebe zum Kochen da.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Kochklub zu gründen?
Im Haus Rossau gibt es einen Werkraum mit Küche, in dem eine Animatorin immer ein Programm gestaltet. Dieses reicht von Turnen über Werken. Eines Tages hatte sie die Idee, etwas gemeinsam zu kochen. Wir haben eine Süßspeise, Hollerschöberl, gemacht. Das hat uns so gut gefallen, dass wir uns gesagt haben, wir wollen weiter kochen. Ich habe mir gedacht, ich gründe ganz einfach einen Kochklub. Seit zirka vier Jahren sind wir ein festes Team von sieben Frauen, das ein Mal pro Monat im Werkraum kocht.
Wie stellen Sie die Menüs zusammen?
Wir haben ja im Haus viel Kontakt, zum Beispiel beim Frühstück, und da plaudern wir auch oft übers Kochen. Jeder bringt Vorschläge ein und gemeinsam legen wir dann ein Menü fest. Manchmal schaue ich auch in ein Kochbuch oder ich hole mir Tipps bei unserem Küchenchef. Momentan haben wir keine speziellen Menüs. Aber vor zwei Jahren haben wir Speisen aus allen neun Bundesländern durchgekocht. Das war sehr interessant, auch eine Recherchearbeit. Viele Tipps kamen auch von den Bewohnerinnen und Bewohnern. Es wohnen hier im Haus auch Menschen, die ursprünglich aus anderen Bundesländern nach Wien gezogen sind. Für Oberösterreich haben wir zum Beispiel gebackene Fleischknödel gekocht, für Wien Leberknödelsuppe, Wiener Schnitzel und Apfelstrudel.
Gibt es Gerichte, die nicht so beliebt sind?
Ja, es gibt Vorbehalte gegenüber internationalen Spezialitäten. Aber auch Steaks oder Fisch und Meeresfrüchte mag leider nicht jeder. Das finde ich schade, denn diese Gerichte mag ich sehr.
Wie organisieren Sie das Kochen?
Sobald das Menü feststeht, erstelle ich eine Einkaufsliste. Mit dieser erledige ich die Einkäufe, die Kosten teilen wir uns ganz einfach. Mithilfe einer Animatorin erstelle ich eine Menükarte am Computer. Die Arbeit in der Küche teilen wir einfach auf, auch nach persönlichen Vorlieben. Ich teile ein bisschen ein, damit alles gleichzeitig fertig ist und wir das Menü genießen können. Schon Tradition hat, dass wir uns zur Vorspeise mit einem Gläschen Sekt verwöhnen. Wir sind ein gut eingespieltes Team und arbeiten gut zusammen.
Gab es auch schon Pannen?
Ja sicher. Eine Dame hat einmal behauptet, dass sie den perfekten ausgezogenen Apfelstrudel bäckt. Sie hat einen Teig zubereitet, der so fest war, dass er sich nicht ausrollen ließ. Gott sei Dank hatte ich Strudelblätter gekauft, so ist es mit dem Apfelstrudel doch noch etwas geworden. Wir haben an diesem Nachmittag wirklich sehr viel gelacht.
Kochen Sie auch noch für sich in Ihrem Appartement?
Nein, eigentlich nicht. Das Essen ist hier im Haus ist so gut und ausgewogen, dass es einfach nicht nötig ist. Wenn ich Gäste zu Besuch habe, gehe ich natürlich einkaufen.
Was bedeuten Ihnen diese Kochnachmittage?
Sie bedeuten mir sehr viel, denn damit werden auch soziale Kontakte gepflegt. Wir treffen uns auch sonst und es besteht ein guter Zusammenhalt in der Gruppe. Zum Beispiel haben wir gemeinsam Silvester gefeiert. Ich habe am Vormittag eine Gulaschsuppe gekocht. Am Abend haben wir uns getroffen und gemeinsam gegessen und um Mitternacht auf unserer Dachterrasse auf das neue Jahr angestoßen. Oder hin und wieder treffen wir uns im Werkraum zu einem kalten Abendessen. Jeder bringt seine Jause mit und wir teilen uns ein Fläschchen Wein.