Interview Michael Roselieb (48)
Der Wiener Michael Roselieb hat vor einiger Zeit die Werbebranche hinter sich gelassen und konzentriert sich jetzt auf die Holzgestaltung. Nebenbei zieht es ihn jeden Donnerstag mit seiner Ukulele ins Pensionisten-Wohnhaus Haus Brigittenau.
Leben & Freude: Warum kommen Sie ins Haus Brigittenau?
Michael Roselieb: Ich habe zu dem Haus eine gewisse Nahbeziehung. Meine Großmutter hat vor ihrem Tod hier gelebt. Bei den Besuchen habe ich die Einrichtung und ihre Bewohnerinnen und Bewohner näher kennengelernt. Seit ca. einem Jahr singe ich wöchentlich mit meiner Ukulele im Haus.
Wie sieht so ein Besuch aus?
Ich komme Donnerstagvormittag hierher. Die „Singstunde“ mit den Bewohnerinnen und Bewohnern kommt gut an. Es sind meist Frauen, die sich zu mir an den Tisch im Aufenthaltsraum setzen und mit mir Lieder singen.
Von welchen Liedern sprechen Sie da?
Die Palette reicht von Kinderliedern über Klassiker von Heinz Conrads bis zu Wiener Liedern. Da sind „Hänsel und Gretel“ dabei, genauso wie „Am Brunnen vor dem Tore“. Es ist leicht, mit der Ukulele viele Lieder zu begleiten. Ich habe mir selbst einige Griffe beigebracht, der Rest kommt von selbst. Der Spaß steht im Vordergrund. Und wenn ich sehe, wie viel Freude ich den Damen machen kann, bin ich glücklich.
Warum eigentlich eine Ukulele?
Das kam spontan. Ich habe ein Buch mit dem Satz „Kauf dir eine Ukulele“ gelesen. Da ich schon immer ein musikalischer Mensch war (Anm.: Klavier), hab ich mir den Rat zu Herzen genommen und mir das Teil gekauft.
Welchen Stellenwert hat das ehrenamtliche Engagement für Sie?
Für mich persönlich einen sehr hohen. Es ist keine Last für mich, für mich ist es selbstverständlich. Man kann soviel Gutes bewirken, wenn man nur ein bisschen Zeit „opfert“. Man kann niemanden dazu zwingen, doch sollte jeder Mensch in seinem eigenen kleinen Umkreis anfangen. Es ist in der heutigen Zeit immer wichtiger, zur Selbsthilfe zu greifen, selbst Verantwortung zu übernehmen. In kleinen Einheiten zu denken, hilft. Was kann ich meinen Nächsten Gutes tun?
Warum gerade hier im Haus Brigittenau?
Ich sehe das Alter/Altern als Randbereich in unserer Gesellschaft. Ich möchte das Altern in meinen Alltag integrieren. Denn auch ich werde einmal alt sein. Es macht hier ein Menge Spaß. Ich bin beruflich am Donnerstag immer in Wien und habe mir die ein, zwei Stunden so eingeteilt. Ich gebe hier den Menschen etwas, ich lerne aber auch viel.
Was bekommen Sie von den Menschen zurück?
Eine Bewohnerin hat einmal gesagt: „Ich versuche, das Leben so zu leben, wie es ist. Und nicht so, wie es sein soll.“ Diese Aussage prägt.
Wenn ich sehe, wie die Damen lächeln und mitsingen, ist das schon ein schönes Gefühl. Es sind die einfachsten Lieder, manche aus der Jugend der Frauen. Die Bewohnerinnen und Bewohner erinnern sich an die Texte, singen oder summen mit. Das vergisst man nicht.