Interview: Leidenschaft Theater
Helga Schwaiger hat vielseitige Talente. Neben der Schauspielerei malt sie und schreibt Geschichten. Im Interview erzählt sie, wie sie über Umwege zum Theater kam und was sie ihren SchülerInnen beibringt.
Leben & Freude: Wie kamen Sie zum Theater?
Helga Schwaiger: Ich bin schon immer gern in andere Rollen geschlüpft. Als Kind habe ich Ballett gelernt, die Schauspielerei hat mit mein Vater aber nicht erlaubt. Schließlich habe ich einen ganz normalen Bürojob ergriffen. Und am Abend bin ich jeden Tag ins Jugendtheater gefahren und habe gespielt. Da war nicht viel Zeit für anderes. Später habe ich mich dann dazu entschlossen, Theaterwissenschaften und Ethnologie zu studieren. Ich habe Regie geführt und als Dramaturgin gearbeitet. Das Theater ist mein Leben.
Was fasziniert Sie daran?
Es ist einfach wunderschön, sich anders geben zu können, als man ist.
Heute geben Sie Schauspielkurse für Seniorinnen und Senioren. Wie kam es dazu?
Ich habe vorher schon länger Schauspielunterricht gegeben. Rhetorik und Sprachübungen waren auch ein wichtiges Thema. Und weil ich die lustigen Boulevard-Komödien wie zum Beispiel in der Komödie am Kai immer als sehr unterhaltsam empfand, habe ich selbst eine geschrieben. Das Stück heißt „Geflüster“ und wurde 2004 das erste Mal aufgeführt. Das war das erste Stück, das ich gemeinsam mit meinen älteren Schauspielschülerinnen und -schülern umgesetzt habe. Seither bringen wir jedes Jahr ein Stück auf die Bühne.
Ist die Arbeit mit älteren Menschen anders als mit jüngeren?
Nein, eigentlich nicht. Außerdem kann wirklich jeder in meine Kurse kommen, der am Vormittag Zeit hat. Die VHS-Kurse sind nicht nur für Seniorinnen und Senioren gedacht. Bei den Stücken denken manche: Es ist doch peinlich, wenn eine 60-Jährige zum Beispiel eine junge Braut spielt. Aber mit Kostüm und Schminke fällt das überhaupt nicht auf. Außerdem hält das gemeinsame Theaterspielen uns alle unglaublich jung.
Nach welchen Kriterien suchen Sie die Stücke aus?
In letzter Zeit spielen wir viel Nestroy, aber auch der „Jedermann“ stand schon auf dem Programm. Ich bearbeite alle Stücke so, dass für jeden im Team eine Rolle vorhanden ist. Und die Aufführungen sollten nicht länger als eineinhalb Stunden dauern. Heuer auf dem Programm: „Die weißen Hüte“ und „Der gebildete Hausknecht“.
Was bedeutet das Theaterspielen für die Seniorinnen und Senioren?
Natürlich macht es allen in erster Linie viel Spaß. Das Miteinanderarbeiten und das Diskutieren über Rollen und Szenen sind immer lustig und anregend. Man trifft andere Menschen und kommt aus dem Haus. Das ist in jedem Alter wichtig.
Was bringt den Seniorinnen und Senioren das Spielen?
Als großen Vorteil sehe ich, dass die Leute durch das Lernen der Texte geistig fit bleiben und ihren Kopf trainieren. Theaterspielen macht aber auch selbstbewusst. Und wer in die Rolle anderer Charakteren schlüpft, lernt auch, andere Menschen besser zu verstehen. Außerdem reagieren Schauspielerinnen und Schauspieler sehr sensibel auf ihr Gegenüber.
Was sollte man mitbringen, wenn man selbst schauspielern will?
Bis jetzt konnte ich noch für alle meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer passende Rollen finden. Besondere Fähigkeiten braucht man nicht. Wichtig ist es aber, dass man keine Vorurteile hat und sich auf andere Menschen einlassen will. Es ist kein Problem, wenn jemand etwas ruhiger ist. Gerade diese introvertierten Menschen profitieren sehr, weil sie durch die Schauspielerei mehr Mut bekommen. Wichtig ist aber Verlässlichkeit. Meine Mitspielerinnen und Mitspieler müssen pünktlich sein und ihren Text können.
Ein paar Tipps und Tricks?
Man muss sich auf der Bühne immer klar sein, dass alle Gesten stärker ausfallen müssen, damit das Publikum sie versteht. Gut ist es auch, pantomimisch zu arbeiten. Dem Publikum nie den Rücken zudrehen und auf eine klare Aussprache achten. Das sind wohl die wichtigsten Tipps für Anfängerinnen und Anfänger.