Oma, Opa, wir machen Urlaub!
Petra Mandl, Sozialarbeiterin und Familienberaterin der MAG ELF, gibt Tipps, wie der Urlaub mit den Kleinen zum großen Erlebnis wird.
"Wenn Kinder Spaß haben, ist es ihnen egal, ob sie im Gänsehäufel oder an einem spanischen Strand spielen."
Leben & Freude: Wie gut sollten sich die Großeltern und Enkelinnen bzw. Enkel kennen, wenn sie gemeinsam auf Urlaub fahren wollen?
Petra Mandl: Es sollte ein Vertrauensverhältnis geben und sie sollten aneinander gewöhnt sein. Die Kinder sollten auch schon mal bei den Großeltern übernachtet haben und deren Abläufe kennen.
Angenommen, die Großeltern fahren eigentlich am liebsten auf Strandurlaub und lieben es, in der Sonne zu liegen. Ist das für Kinder lustig?
Wenn man Enkelinnen und Enkel mitnimmt, muss man sich auch im Klaren sein, dass sie betreut und beaufsichtigt werden müssen und man nicht nur im Liegestuhl bleiben kann. Wenn die Großeltern auch den Urlaub für sich selbst nutzen wollen, sollten sie also eine Unterkunft wählen, die Kinderbetreuung anbietet oder ein Programm für Kinder hat.
Gibt es Reiseziele, die für Kinder nicht geeignet sind?
Wichtig ist, dass es eine Grundversorgung gibt. Erkrankt ein Kind, muss es medizinische Versorgung geben. Eine „einsame Insel“ ist da sicher keine gute Idee. Aber wenn es Spaß macht, ist es den Kindern egal, wo sie sind. Man darf allerdings nie vergessen, dass schon die Anfahrt für die Kleinen sehr anstrengend ist. Und für einen selber auch.
Als meine Kinder noch so um die drei Jahre alt waren, bin ich mit einer Freundin und deren Kindern nach Griechenland gefahren. Wir haben total unterschätzt, wie mühsam das sein kann. Es kamen Flugverspätungen dazu, wir mussten umsteigen – das war alles andere als lustig mit den Kindern.
Das heißt, Kindern ist es egal, wo sie sind, solange das Angebot passt?
Richtig. Ein Bauernhof in Österreich ist für sie sicher spannender als eine Städtereise. Und ob sie Spaß haben und dabei gerade im Gänsehäufel oder an einem spanischen Strand sind, spielt für Kinder keine Rolle.
Stichwort verwöhnen: Wie viel darf sein?
Großeltern haben das „Verwöhn-Vorrecht“. Trotzdem soll es nicht zu sehr ausarten. Gehen die Kinder im Urlaub jeden Abend viel später als üblich ins Bett, wollen sie das zu Hause vielleicht auch – damit tut man den Eltern keinen Gefallen. Besser ist, sich mit den Eltern vorher abzureden. Einmal später ins Bett zu gehen oder hin und wieder ein Eis zu kaufen, ist schon in Ordnung. Aber ständig nur verwöhnen und Grenzen überschreiten, ist nicht okay.
Wenn die Kinder älter werden, sinkt die Lust, mit den Großeltern auf Urlaub zu fahren. Was kann man dagegen tun?
Nicht enttäuscht sein und Geduld haben. In der Pubertät haben Kinder andere Interessen, das ist ganz normal. Sie haben ihre Großeltern deshalb nicht weniger lieb. Doch sie müssen ihren eigenen Weg finden und unabhängig werden. Da kann es mitunter auch Kommunikationsschwierigkeiten geben.
Ein Beispiel: Die Großeltern verstehen nicht, wie das Kind ständig vor dem Computer sitzen kann, aber ein Verbot hilft da nicht. Wichtig ist, dass man nicht verärgert reagiert und ihnen trotzdem Angebote macht. Wenn das Kind statt eines gemeinsamen langen Urlaubs mit den Großeltern auf in Feriencamp will, ist das auch in Ordnung. Aber ein gemeinsamer kurzer Aufenthalt ist vielleicht möglich. Dabei kann man dem Kind Aktivitäten anbieten, für die Eltern im Normalfall keine Zeit haben – etwa gemeinsam ein Spiel spielen.
Meine Kinder sind mittlerweile rund 15 Jahre alt und sie hören nun ganz begeistert die Geschichten ihrer Großeltern an. Das Interesse hat sich einfach geändert.