Eine Woche voll Kunst
125 Veranstaltungen, rund 36.000 BesucherInnen: Das ist die stolze Bilanz der Vienna Art Week, Wiens größter Veranstaltung zum Thema Kunst. Erstmals mit dabei: Vier Wiener Designbüros, die ihre Ateliers für das Publikum öffneten.
Besuch beim Designbüro dottings im Rahmen der Vienna Art Week 2011.
Wiens Kunstszene hat wieder einmal ein starkes Zeichen von sich gegeben: das Who-is-who der Branche traf eine Woche lang mit internationalen MuseumsdirektorInnen, KuratorInnen, SammlerInnen und KritikerInnen zusammen. Man vernetzte sich, tauschte Erfahrung aus und gestaltete gemeinsam ein Programm, das rund 36.000 BesucherInnen aus dem In- und Ausland anzog.
Der Bogen reichte von Führungen durch Ausstellungen über Besuche in Ateliers bis zu Diskussionen über zeitgenössische Architektur. Mit rund 125 Einzelveranstaltungen stellt die „Vienna Art Week“ mittlerweile die größte jährlich stattfindende Veranstaltung zur Kunst von der Barockzeit bis heute dar. Motto heuer war „Reflection Realtity“, das Wien als Stadt der Psychoanalyse in den Mittelpunkt rückte.
Pulsierende Off-Space-Szene
Regelrecht gestürmt wurden die zahlreichen Veranstaltungen in den sogenannten Off-Spaces wie die Performances im Kunstverein COCO/spike art quarterly mit Wojciech Kosma, Narcissister und Pierre Leguillon, die alle drei eigens nach Wien angereist waren.
Auffallend großen Publikumszulauf hatten auch die Podiumsdiskussionen „Wie sammeln Museen?“ oder „Ist Kunstsammler eine Karriere mit Zukunft?“ Auch die „departure design tour“ war gut besucht. Konnte man doch einen Blick in vier Wiener Designbüros werfen und dadurch mehr über deren Produktionsweise und Unternehmensphilosophie erfahren.
Departure Tour
Mit dabei war das Designbüro dottings, das seit 2006 von Katrin Radanitsch und Sofia Podreka betrieben wird. Das Büro bietet Produktdesign, Gestaltung von Licht und öffentlichem Raum sowie Beratung zum visuellen Erscheinungsbild von Unternehmen an. Und hat dafür schon mehrere Preise erhalten.
„Cleveres Produktdesign verschiedenster Spielart muss immer mehr können als einfach nur gut auszusehen. Den Begriff „Industrial Design“ legen wir bewusst weitläufig aus und bewegen uns auch gerne in Bereichen, die von Produktdesign noch unberührt sind und entsprechend viel davon vertragen. Wir begleiten unsere Kunden konsequent vom Konzept bis zur Serienreife“, so das Duo.
Shop-Design für Giorgio Armani Cosmetic
Ebenfalls einen Blick hinter die Kulissen gewährte EOOS. Mitte der 90er-Jahre von Gernot Bohmann, Harald Gründl und Martin Bergmann gegründet, hat sich die Designfirma vor allem durch das Shop-Design für Giorgio Armani Cosmetics einen Namen gemacht. Seither hat sie mehr als 60 Preise erhalten. Wirklich stolz ist Harald Gründl – der durch das Atelier führt – auf den italienischen Designpreis „Compasso d’Oro.
Hinterhofatelier
Kabiljo Inc. wiederum ist ein Hinterhofatelier. Die Arbeiten von Dejana Kabiljo, die Architektur und Design studiert hat, sind weit stärker im Kunstbereich angesiedelt als etwa die von EOOS oder dottings. Die in Kroatien geborene Designerin lebt seit 1992 in Wien, war Art Director im Technischen Museum, Lehrbeauftragte an der Universität für angewandte Kunst und führt ein Architektur- und Designstudio.
Ihre Produkte, das Bett BONNIECLYDE, der Papiertisch SCRIBOman, der sich bis zum letzten Blatt selbst gestaltet, oder SITTING PRETTY – hübsche Frauenköpfe zum Hinsetzen – spiegeln ihr Spiel mit menschlichen Verhaltensweisen wider.
Lady Gaga ist begeistert
Letzte Station war AND_I: Mit seinen ausgefallenen Kreationen sorgt der Goldschmied und Bildhauer Andreas Eberharter auch bei Stars wie Lady Gaga, Beyoncé, Peaches, Bob Geldof oder Lindsey Lohan für Aufsehen.
Seine Arbeiten unter dem Label AND_i erinnern zum Teil an Skulpturen. Für internationale Furore sorgten 2009 die „Eye Patches“ (metallene Augenklappen) in einer Modenschau von Thierry Mugler. Eberharter verwendet für seine Entwürfe neben Silber und Leder auch Materialien wie Aluminium.