Guter Schutz ist Goldes wert
Edle Metalle, zu hauchdünnen Blättchen verarbeitet, sind die Welt der Vergoldermeisterin Barbara Oberlerchner, Firma „GoldcreArtiv“.
„Forschen & Entdecken“ hat mit ihr über ihre Arbeit und die ständig neuen Herausforderungen gesprochen.
"Goldmarie" Barbara Oberlerchner von goldcreArtiv.
Forschen & Entdecken: Sie üben einen ungewöhnlichen Beruf aus. Wie sind Sie dazu gekommen?
Barbara Oberlerchner: Die Vielfältigkeit der Restaurierung hat mich schon immer interessiert. Bereits zu Beginn meines Kunstgeschichte-Studiums habe ich festgestellt, dass mein Interesse und mein persönliches Talent im praktischen Bereich liegen. Nach der Ausbildung am Kolleg für Bautechnik, welches Bereiche wie Farbtechnik, Farbgestaltung, Technisches Zeichnen, Restaurierung sowie Malerei beinhaltete, legte ich nach mehrjähriger Arbeit bei verschiedenen Restauratoren die Meisterprüfung für das Handwerk Vergolder und Staffierer ab.
Woran arbeiten Sie gerade? Wie kann man sich Ihre Arbeit vorstellen?
Meine derzeitigen Projekte sind eher im modernen Bereich. Ich gestalte hochwertige Oberflächen unter anderem auch für Yachten. Zum Beispiel Wand- oder Deckenverkleidungen, Säulenelemente bzw. Leisten und Stuckaturen. Durch spezielle Materialien können faszinierende Effekte erzeugt werden.
In direkter Zusammenarbeit mit Innenausstattern und Architekten werden so künstlerische Unikate erzeugt. Bei meinem letzten Projekt habe ich eine Aluminium-Verkleidung für einen Kaminsims in metallisch-goldener Optik gestaltet.
Des Weiteren bin ich bei der Renovierung und Restaurierung von Schlössern und Kirchen im Großraum Wien tätig.
Die Herausforderung in meiner täglichen Arbeit ergibt sich vor allem im Umgang unterschiedlicher Materialien und Oberflächen.
Können Sie ein Beispiel geben?
Edelmetalle sind sehr anfällig für äußere Einflüsse. In der klassischen Vergoldung von Bilderrahmen oder sonstigen Dekorgegenständen muss dies nicht besonders berücksichtigt werden, da sie keinerlei Belastungen ausgesetzt sind. Für Nutzgegenstände im alltäglichen Gebrauch sind jedoch spezielle Vergoldertechniken und Schutzlacke notwendig, um diese vor Abnützung, Verfärbungen, Kratzer oder Ähnlichem zu schützen. Darüber hinaus muss Hitzebeständigkeit und Wasserresistenz gewährleistet werden.
Das Problem bei herkömmlichen Lacken ist aber, dass sie die Optik verändern, mit dem Untergrund nicht kompatibel sind oder sich in kurzer Zeit wieder ablösen.
Wie haben Sie dieses Problem gelöst?
Trotz umfangreicher Experimente konnte ich den idealen Schutzlack nicht finden. Ich hatte zwar in der Ausbildung mit Farben und Lacken zu tun, aber natürlich nicht das ausreichende Wissen eines Chemikers. Für eine Vergabe haben mir die finanziellen Mittel gefehlt. Ich hatte zwar schon von verschiedenen Fördermöglichkeiten gehört, aber mich noch nicht ausreichend mit dieser Möglichkeit beschäftigt. In dieser Zeit erhielt ich einen Anruf von der ZIT – Die Technologieagentur der Stadt Wien, welche den Stein ins Rollen brachte. Ich habe von meiner Idee erzählt und fand sofort Unterstützung. Meine Beraterin hat mir die FFG, die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft, vermittelt. Mit einem Innovationsscheck über 5.000 Euro ausgestattet, konnte ich mit dem namhaft gemachten Partner, dem OFI, dem Österreichischen Forschungsinstitut – Abteilung Lacke und Beschichtungen, die geeigneten Schutzlacke ermitteln. Insgesamt hat das Projekt ein halbes bis drei viertel Jahr gedauert. Während dieser Zeit ist mir meine ZIT-Beraterin zur Seite gestanden.
Gibt es weitere Ideen für Innovationen?
Die Anforderungen an die moderne Vergoldung sind vielfältiger und umfangreicher geworden. Bei meinem neuen Projekt geht es um die Mixtion, mit welcher ich die Edelmetalle auf unterschiedlichste Oberflächen aufbringe. Hierbei muss der Lack natürlich mit dem Kleber kompatibel sein. Die Mixtion, die ich derzeit verwende, ist für kleinere Flächen geeignet. Bei größeren Flächen ist sie allerdings nur bedingt anwendbar, da diese sehr schnell austrocknen und damit die Oberflächen optisch ungleichmäßig erscheinen.
Für die Umsetzung dieser Anforderungen habe ich bereits einen weiteren Innovationsscheck von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft erhalten.