Intelligente Rechnersysteme sparen Strom
Für ihre Forschungen an grüner IT erhielt die Informatikerin Ivona Brandic den TU-Wissenschaftspreis.
„Ich forsche an der Software“, erklärt Ivona Brandic, „weil die Geräte nun einmal da sind und man nicht dauernd neue kaufen kann.“
Alle ComputernutzerInnen kennen das: Wenn der Rechner heiß läuft, ist das ein Zeichen dafür, dass er unnötig viel Strom verbraucht. Wer an die Umwelt denkt, hat nun zwei Möglichkeiten: Entweder kauft man ein neues, Strom sparenderes Gerät oder man verwendet energieeffizientere Programme.
„Ich forsche an der Software“, erklärt Ivona Brandic, „weil die Geräte nun einmal da sind und man nicht dauernd neue kaufen kann.“ Genau genommen forscht die 33-jährige Informatikerin an Rechnernetzwerken, die im Internet eine Gesamtheit bilden – sogenannte Clouds. Die will sie „grüner“ machen, und zwar indem sie sie lehrt, sich selbst zu regulieren.
Computer beobachten sich selbst
Dazu entwickelt Brandic Programme, die es den Netzwerken ermöglichen, sich zu beobachten. Sie messen Stromverbrauch, wie lange sie für Anwendungen brauchen und vieles mehr. „Es ist beispielsweise effizienter, einen Prozessor bei voller Leistung laufen zu lassen als zwei bei halber“, so Brandic.
Allerdings ist alles noch ein bisschen komplizierter. Ihrer Vorstellung nach sollen Netzwerke nicht nur reagieren, sondern proaktiv tätig werden können. Dazu müssen sie vorhersehen, wie sich Befehle auf ihre Auslastung auswirken werden. Und sie müssen lernfähig sein.
Preisgeld für wissenschaftliche MitarbeiterInnen
Ihr umfangreiches Wissen über sich selbst regulierende Computersysteme verdankt Brandic einem seit 2009 laufenden Projekt, das der Wiener Wissenschafts- und Technologiefonds WWTF mit 300.000 Euro unterstützt. Die 500.000 Euro aus dem Wissenschaftspreis der Technischen Universität Wien – der heuer zum ersten Mal vergeben worden ist – will sie großteils in zwei fünfjährige PhD-Stellen stecken und so ihr Team aufstocken.
Einen kleineren Teil des Geldes verwendet Brandic dazu, Hardware zu kaufen. „Schließlich müssen wir unsere Programme testen, bevor wir sie in der Praxis einsetzen können.“ Mit „Praxis“ meint die Wissenschaftlerin das Computernetzwerk der TU Wien, eines der größten in ganz Österreich. „Die Möglichkeit, so wirklichkeitsnah zu forschen, ist einer der großen Vorteile der TU“, schwärmt sie.
Frühes Interesse an Technik
Brandic kam 1992 mit ihren Eltern aus Bosnien nach Wien, um dem Krieg in Jugoslawien zu entfliehen. Obwohl ihre Eltern als Flüchtlinge naturgemäß nicht viel Geld besaßen, hatte Brandic schon als Jugendliche einen Computer in ihrem Zimmer stehen. Das und ihr Besuch einer HTL für Nachrichtentechnik weckten ihr Interesse für Informatik. „Ich habe damit angefangen, Fernseher zu zerlegen. Und dann ist es mit Computern weitergegangen. Das machte mir einfach Spaß.“
Heute ist Wien zwar ihre Heimat, aber die Wissenschaftlerin sieht sich als Weltenbürgerin. „Meine Familie ist auf Österreich, Deutschland, die USA und Australien aufgeteilt.“ Durch ihre Vortragstätigkeit auf internationalen Konferenzen hat sie FreundInnen auf der ganzen Welt. Und sie betreut Studierende der Universität Split in Kroatien bei deren Doktorarbeit.
Auf die Frage, ob sie als Informatikerin nicht in eine Männerdomäne eindringt, antwortet Brandic: „Ich sehe mich nicht als Exotin. In meiner Familie haben alle Frauen etwas mit Technik gemacht. Und ich habe auf der Uni viele Kolleginnen.“