Wie entsteht ein Kaffeehaus?
Dies ist die perfekte Ausstellung für WienerInnen. Es geht um die Zukunft des Kaffeehauses und man erfährt, wie Design gemacht wird.
Das „große Wiener Kaffeehaus-Experiment“ kann im MAK DESIGN SPACE mitverfolgt werden.
Was macht ein Kaffeehaus aus? Wie wird das Kaffeehaus der Zukunft aussehen? Und woher nehmen DesignerInnen ihre Ideen? – All diese Fragen versucht man mit dem „Großen Wiener Kaffeehaus-Experiment“ im MAK zu beantworten.
Das in Modulen aus Lectures, Workshops, Research- und Work-in-Progress-Präsentationen aufgebaute Forschungsprojekt kann im MAK DESIGN SPACE als öffentlich zugängliches Designlabor mitverfolgt werden. Höhepunkt wird „Die Versuchsanordnung“, eine modellhafte Umsetzung der besten Entwürfe für einen Testbetrieb im MAK.
The Shape of the Café to Come
Das künstlerische Forschungsprojekt steht unter der Regie des Wiener Architekten und Designers Gregor Eichinger. Der beschäftigt sich schon lange mit Kaffeehäusern. Gemeinsam mit seinem Partner Christian Knechtl zeichnet Eichinger etwa für die Gestaltung des Café Stein, der Brasserie im Palmenhaus oder des Café Halle im MQ verantwortlich. Schon 2008 hat er im „Cup Club“ neue Ideen für das Kaffeehaus gesammelt und 2009 im MAK die Ausstellung „The Shape of the Café to Come“ realisiert.
2009 hielt er auch den Vortrag „Das Wiener Kaffeehaus – die Entstehung der Arten“, ließ die Entwicklung des Wiener Kaffeehauses Revue passieren und bediente sich dabei bewusst einer evolutionsbiologischen Terminologie, ganz nach dem Motto: „Die Evolution muss weitergehen, wenn das Kaffeehaus überleben soll!“
Designerin in Residence
Und so fungiert er jetzt als „Forschungsregisseur“ des Kaffeehaus-Experiments, in dessen Rahmen Julia Landsiedl eine Ausstellung gestaltet. Dabei kommt der Designerin gewiss zugute, dass ihre eigenen Arbeiten einerseits auf qualitativer AnwenderInnenforschung beruhen und dass sie andererseits auch künstlerisch-spielerische Produkte kreiert.
Für die Work-in-Progress-Ausstellung hat sie die aktuelle Kaffeehausszene beobachtet und festgestellt, dass MigrantInnen bisher kaum etwas finden, was sie ins Kaffeehaus einladen würde. Auch andere potenzielle NutzerInnengruppen fühlen sich nicht willkommen. Kreative Einpersonenunternehmen etwa, die sich für den Preis einer Melange ein Büro mieten könnten. Doch meist fehlt die Steckdose, oft der Platz, um einen Plan oder eine Präsentation auszubreiten. Dafür sind viele Eltern in Karenz anzutreffen – und rüstige PensionistInnen.
Generation Starbucks
Zusätzlich sammelt Landsiedl Anschauungsbeispiele wie Lampen und Kassen und durchforstet die MAK-Sammlung nach Artefakten. Das sich ständig wandelnde Ergebnis wird unter den Themen „Alles was hängt“, „Alles was steht“, „Der Kaffee“, „Im Lokal“, „Das Neueste“ und „Generation Starbucks“ präsentiert.
Angereichert wird diese Ausstellung nach und nach durch die Ergebnisse dreier, von Eichinger geplanter Design-Labs: „raumlaborberlin“ etwa, ein interdisziplinäres Kollektiv aus ArchitektInnen und UrbanistInnen, untersucht die Schnittstellen, an denen das Öffentliche ins Private umschlägt. „Antenna Design“ aus New York schaffen Design an der Schnittstelle von Mensch und Maschine, das die BenutzerInnen nicht außer Acht lässt, etwa mit einem Selbstbedienungskiosk für McDonald’s.
Der italienische Design–Theoretiker Andrea Branzi schließlich thematisiert neue Modelle des Zusammenlebens und fragt, ob sich Kaffeehaus von morgen zur Erprobung gesellschaftsrelevanter Strategien im Design eignet.
Prototyp
Anfang Oktober jedenfalls wird die MAK-Säulenhalle zum Prototyp des Kaffeehauses des 21. Jahrhunderts. Und bis dahin kann man den Entwicklungsprozess mitverfolgen. Wann präsentiert sich ein Museum schon als Produktionsort?