Physik als Spiel – wie geht das?
Der Wiener Spielehersteller ovos hat das Game entwickelt. „Forschen & Entdecken“ hat den Geschäftsführer, Jörg Hofstätter, zum Interview gebeten.
Forschen & Entdecken: Was unterscheidet „Ludwig“ von anderen Lernspielen?
Jörg Hofstätter: Es macht Spaß. Normalerweise funktioniert das Lernen bei diesen Spielen nach dem Prinzip Belohnung. Die Spielerin bzw. der Spieler löst eine Aufgabe, als Belohnung darf sie bzw. er etwas spielen. Bei „Ludwig“ ist das Lernen im Spiel integriert. Das heißt, ich lerne nicht einfach auswendig und bekomme eine Liste an Fragen, sondern ich muss Vorgänge beobachten, analysieren, mein Wissen anwenden und verknüpfen. Es geht um das Verstehen. Das Spielziel ist gleichzeitig das Lernziel. Die Spielerinnen und Spieler konzentrieren sich auf die Lösung des Spiels und beschäftigen sich permanent mit den Lerninhalten.
Wie ist das Spiel aufgebaut, was die Grafik betrifft?
Was Games betrifft, sind Kinder absolute Top-Qualität gewohnt. Wir haben versucht, dem Anspruch gerecht zu werden durch einen spannenden Inhalt und gutes Grafik- und Game-Design.
Bekommt man dadurch in Physik lauter Einser?
Nein, das Lernen und die Auseinandersetzung mit anderen Physik-Themen bleibt den Kindern sicher nicht erspart, aber: „Ludwig“ zeigt, dass Physik spannend ist. Es soll die Kinder motivieren und ihnen zeigen, dass es nicht irgendetwas Abstraktes ist, dass man dabei erlernt. Wichtig dabei ist auch eine gute Einbettung in den klassischen Unterricht durch die Lehrerin oder den Lehrer. Ein von „Ludwig“ zur Verfügung gestelltes didaktisches Framework gibt dazu Anregungen für die Lehrenden.
Das Spiel entspricht dem Lehrplan?
Ja. Das Physikdidaktikzentrum der Uni Graz hat das Curriculum abgestimmt. Gemeinsam mit Physikdidaktikerinnen und -didaktikern haben wir das Konzept der Wissensdatenbank und die weiterführende Information erarbeitet. Auch die Donau-Universität Krems hat uns unterstützt.
Haben auch Jugendliche selbst das Spiel getestet?
Sechs Gymnasien, Hauptschulen und Mittelschulen haben es im Unterricht ausprobiert und uns Input gegeben. Auch über eine Online-Community kamen Tipps.
Wie war das Feedback?
Uns hat es überrascht, dass es wenig Fragen zum Spielablauf gab. Die Schülerinnen und Schüler erkannten sofort, wie es läuft. Kinder mit mehr Spielerfahrung haben es wiederum den anderen gezeigt. Was auch interessant war: Roboter Ludwig kam bei Mädchen und Buben gleich gut an. Wir dachten zuerst, er wäre zu bubenlastig, aber die Mädchen finden ihn süß. Den Burschen gefallen die vielen Gadgets und Zusatzfunktionen, mit denen man den kleinen Roboter ausstatten kann.
„Ludwig“ kann immer nur eine Spielerin bzw. ein Spieler spielen?
Grundsätzlich schon, doch es können auch Teams gebildet werden. Jedes Team setzt sich dann mit einem bestimmten Level auseinander, am Ende erklären sie es einander gegenseitig. Wir überlassen es den Lehrerinnen und Lehrern, wie sie das Spiel einsetzen. Der Vorteil, wenn man es allein spielt, ist, dass man in seinem eigenen Tempo spielen und in seiner eigenen Geschwindigkeit lernen kann.
Wie viele Schulen arbeiten bereits mit „Ludwig“?
Derzeit spielen es rund 5.000 Schülerinnen und Schüler. Das Spiel umfasst insgesamt acht Unterrichtseinheiten. Wie es eingesetzt wird, können und sollen die Lehrerinnen und Lehrer selbst entscheiden.
Wie lang habt ihr an dem Projekt „Ludwig“ gearbeitet?
Rund zwei Jahre, wobei die reine Produktionszeit ein Jahr gedauert hat.
Wie kam es zu dem Namen „Ludwig“?
Wir wollten absichtlich keinen Namen wie „Physics 4 fun“ haben. Also haben wir uns für Ludwig entschieden, denn Ludwig Bolzmann ist ein bekannter österreichischer Physiker. Und wenn eine Band „Franz Ferdinand“ heißen kann, darf es auch ein Physikspiel mit dem Namen „Ludwig“ geben.
Gibt es auch internationales Interesse an „Ludwig“?
Wir waren bei verschiedenen Messen und das Echo war immer sehr positiv.
Die Schweiz und Deutschland sind sehr interessiert, da auch deren Lehrplan dem österreichischen gleicht. Aber auch die USA, Korea oder Frankreich haben schon Interesse gezeigt. In Deutschland haben wir außerdem den deutschen Entwicklerpreis 2011 gewonnen.
Derzeit können sich Schulen, die „Ludwig“ nutzen wollen, auf www.playludwig.com registrieren. Einen Onlineshop für interessierte Privatpersonen wird es bis zum Ende des Jahres geben.