WADI: Neue Wasser-Technologie
Jährlich sterben rund drei Millionen Menschen an Krankheiten, die durch verschmutztes Wasser verursacht werden. Eine einfache Methode zur Desinfektion ist die Bestrahlung mit Sonnenlicht. Eine Wiener-Erfindung macht dies möglich.
Dieses Gerät mit dem Namen WADI macht verunreinigtes Wasser wieder trinkbar.
Ein kleines Gerät mit dem Namen WADI wird statt des Verschlusses oben auf die Plastikflasche geschraubt und zeigt an, wenn das Wasser desinfiziert ist. Martin Wesian und sein Team bei Helioz haben das innovative Produkt entwickelt.
Forschen & Entdecken: Ihre Firma ist auf Produktion und Vertrieb von „humanen Produkten“ spezialisiert. Was heißt das? Und warum gerade dieser Bereich?
Martin Wesian: Die Helioz Research & Development GmbH versteht sich als Social Entrepreneur, welcher Corporate Social Responsibility nicht nur nebenbei betreibt, sondern sie als Geschäftskonzept in den Mittelpunkt stellt. Wie man beim Nichterfüllen der „Millennium Development Goals“ der Vereinten Nationen sehen kann, benötigen die internationalen Organisationen sowie NGOs Instrumente, mit denen sie nachhaltig etwas bewegen können. Um die mehr als 2,6 Milliarden an Wassermangel leidenden Menschen nachhaltig zu versorgen, bedarf es eines marktwirtschaftlichen Ansatzes, um Lösungen forcieren und etablieren zu können.
Dies wird derzeit im kleinen Rahmen zum Beispiel mit Chlortabletten ermöglicht, die ebenfalls von marktwirtschaftlich orientierten Unternehmen hergestellt werden. Jedoch haben speziell Chlortabletten das Problem, dass sie zur Abhängigkeit führen. Wenn niemand da ist, der diese verteilt, oder kein Geld vorhanden ist, diese zu kaufen, wird das Wasser nicht desinfiziert. Das führt oft zu tödlich verlaufenden Krankheiten wie Cholera, Typhus, Diarrhö, Ruhr etc. Aus diesem Grund haben wir das WADI entwickelt, welches auf der solaren Trinkwasserdesinfektion aufbaut. Es zeigt erstmalig die Keimreduktion im Wasser an und ermöglicht den Benutzerinnen und Benutzern eine einfache und kostengünstige Trinkwasserdesinfektion.
Wie funktioniert das genau?
Die Benutzerinnen und Benutzer benötigen lediglich ein WADI und eine mit Wasser gefüllte PET-Flasche. Beides wird in die Sonne gelegt und sobald das WADI einen Smiley anzeigt, ist das Wasser trinkbar. Das Gerät wird unter sieben Euro kosten und hat – dank der Solarzelle – eine Lebensdauer von mindestens fünf Jahren. Wir vermuten aber eher das Doppelte an Lebensdauer.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Wir haben gerade ein Patent für ein weiteres Gerät im Bereich der Wasserdesinfektion eingereicht. Dieses Gerät wird es ermöglichen, Wasser innerhalb von wenigen Minuten zu desinfizieren – mehr dazu, sobald wir die letzten mikrobiologischen Tests abgeschlossen haben.
Als Vision streben wir an, das WADI als Standard in der kostengünstigen Trinkwasserdesinfektion zu positionieren. Wir wollen dazu beitragen, eines der größten humanitären Probleme der Neuzeit zu lösen.
Wie lange hat die Entwicklung von WADI gedauert?
Die ersten Prototypen wurden im Rahmen meiner Diplomarbeit entwickelt, wobei das theoretische Fundament bereits vorab erarbeitet wurde und dadurch die Hard- und Software-Entwicklung selber nur wenige Wochen in Anspruch genommen hat.
Wirklich zeitaufwendig war und ist die Überleitung der Prototypen in ein serienreifes Gerät. Dieses soll alle Normen erfüllen, mindestens die versprochene Lebensdauer von fünf Jahren erreichen und noch dazu in der Produktion günstig sein. Stetige Absprachen mit den Kunden gehören hier genauso dazu wie Tests in Klimakammern, mikrobiologische Untersuchungen und Belastungstest. Also alles in allem – von der ersten Skizze bis zum nun fast fertigen Produkt – kann man von rund zwei Jahren sprechen.
Wo waren die großen Herausforderungen?
In erster Linie benötigt man Unterstützer, die an das Produkt glauben. Ich hatte das Glück, mit der Studiokonzept Medientechnik GmbH einen Unterstützer in den Bereichen Technik und Finanzen gefunden zu haben, die mich von Beginn an begleitet haben. Einen großen Stellenwert hat natürlich die Start-up-Phase mit der Bereitstellung der Finanzierung sowie die Vermittlung von Know-how und Kontakten.
Hier konnten wir zuerst den akademischen Businessinkubator INiTS gewinnen, der speziell in den letztgenannten Punkten junge Start-ups fördert. Im Bereich der Finanzierung können wir die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) sowie die Stadt Wien in Form einer departure-Förderung zu unseren Unterstützern zählen, ohne die es die Helioz GmbH in dieser Form nicht geben würde.
Wann läuft der Verkauf an?
Wir absolvieren derzeit noch Tests im mikrobiologischen Labor, danach kommen Feldtests in Mosambik, Indien und Brasilien und dann dürften wir gegen Anfang 2011 mit dem Verkauf beginnen. Wir stehen hier etwas unter Zeitdruck, da es bereits einige Interessenten und Bestellungen gibt, die auf das Produkt warten. Deshalb werden wir noch dieses Jahr eine Kleinserie von tausend Stück produzieren, damit die Kunden das Gerät vorab im Feld testen können.
Was ist die Zielgruppe?
Die Zielgruppe teilt sich in Kunden sowie Endkundinnen und -kunden auf. Die Kunden sind NGOs und Unternehmen, die im Bereich des Katastrophenschutzes oder der Entwicklungshilfe tätig sind. Diese geben das Gerät an die Endkundinnen und -kunden weiter. Das sind eine Milliarde Menschen, die keinen Zugang zu desinfiziertem Wasser haben. Weitere 1,5 Milliarden haben nur eingeschränkten Zugang zu Wasser und benötigen eine einfache und kostengünstige Form der Trinkwasserdesinfektion. Weitere Interessenten sind nationale Gesundheitssysteme, da in betroffenen Ländern mehr als 50 Prozent der Krankenhausbetten mit Menschen belegt sind, die an trinkwasserbedingten Krankheiten leiden. Abgesehen vom menschlichen Leid, bedeuten mehr als 50 Prozent belegte Krankenhausbetten enorme Kosten, die mit dem WADI sehr einfach und nachhaltig vermieden werden können.
Außerdem können Unternehmen WADIs kaufen, die komplett mit dem Logo des Unternehmens gebrandet sind. Dies hat nicht nur einen Marketingwert für mehrere Jahre, sondern hilft auch den Menschen. Und unter dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ können diese Unternehmen ihr soziales Engagement verwerten.