Clubtelefon
01/277 55 22
Montag bis Sonntag von
9.00 bis 19 Uhr
Innovatives Stadtmöbel für alle Radfahrer
„Forschen & Entdecken“ im Gespräch mit Architekt Andreas Fox, der – gemeinsam mit seinem Partner Christian Nuhsbaumer – mit der „Velobase“ ein innovatives Stadtmöbel für alle RadfahrerInnen entwickelt hat.

Forschen & Entdecken: Sind Sie eigentlich E-Bike-Benutzer?
Andreas Fox: Nein, bisher noch nicht. Ich habe aber in den letzten Monaten das E-Bike als solches gut kennengelernt und mehr Gefallen daran gefunden als erwartet. Wir – Christian Nuhsbaumer und ich – sind aber passionierte Radfahrer, daher besteht natürlich thematisch ein großes persönliches Interesse am Projekt „Velobase“. E-Bikes bieten neben dem hohen Fun-Faktor ja auch eine Vielzahl an Möglichkeiten: für Pendler im näheren Umfeld einer Metropole zum Beispiel; für Leute, die trotz echter „Auto-Mobilität“ nicht verschwitzt im Büro ankommen möchten, und natürlich für ältere Menschen, die auf zusätzliche Power zurückgreifen können. Daher schließe ich es nicht aus, später selbst ein E-Bike zu benutzen.
Sie haben mit „Velobase“ ein innovatives Stadtmöbel für Radfahrerinnen und Radfahrer entwickelt. Was darf man sich darunter vorstellen? Was konkret ist die „Velobase“?
Die „Velobase“ ist eine Verbindung von einem Funktionsmöbel und einem städtischen Möbel, also einem architektonischen Element im urbanen Raum. Dies zur Erscheinungsform der „Velobase“. Inhaltlich gesehen handelt es sich um eine Rad-Abstellanlage für alle Fahrradfahrer. Sowohl die klassischen Fahrradfahrer als auch die Community der E-Biker, die ja immer größer wird, erhalten damit eine Verwahrungsmöglichkeit und gleichzeitig einen E-Bike-Ladeservice. Je nach Bedarf in der Zukunft, der sich ja natürlich noch nicht genau prognostizieren lässt, kann man die Anzahl der Ladefächer adaptieren, also vergrößern, verkleinern et cetera. Zudem sehen wir die „Velobase“ als eine intelligente Alternative zur E-Bike-Tankstelle, die wir persönlich eher als Sackgasse betrachten, da sie einen eigenen Verkehr verursacht. Sprich: Man muss zur E-Bike-Tankstelle hinfahren und selber vor Ort warten, wenn man sein E-Bike wieder startklar machen möchte. Für Radfahrer ist das eigentlich nicht akzeptabel, weshalb eine Kombination aus Parken und separatem Laden gefragt ist.
Können Sie uns etwas über die Ladefachlösung der „Velobase“ erzählen?
Die Biker können den leeren Akku an der „Velobase“ in ein Fach legen und ihn dort aufladen. Mittels Handy-Authentifizierung per SMS-Code lässt sich das Fach öffnen – ein intelligentes System, das den User aus der Anonymität herausnimmt und in die Verantwortung bringt. Es erfolgt dabei keine Abrechnung oder dergleichen – lediglich eine Authentifizierung. Wenn das Fach geöffnet ist, platziert man einfach den Akku samt Ladekabel darin, steckt ihn an und kann ihn kostenfrei aufladen. Mit demselben SMS-Code lässt sich das Fach nach einer Zeit, die man selbst bestimmen kann, wieder öffnen. Möglich, dass in Zukunft auch einmal ein Abrechnungsmodell dahinterstehen wird, aber zunächst geht es uns um ein Zeichen.
Sie arbeiten doch beide als Architekten. Wie kommt man da auf so eine Idee?
(Lacht) Eine Biertischgeschichte, wenn man so will. Christian Nuhsbaumer und ich arbeiten als Architekten regelmäßig zusammen. Sozusagen im Rahmen einer Akquisitionsüberlegung haben wir die Idee geboren und umgehend den Entschluss gefasst, uns bei „departure“, der Kreativagentur der Stadt Wien, mit einem Projekt zu bewerben, das uns zugleich, als ausgesprochene Fahrrad-Vielfahrer, ein großes persönliches Anliegen ist. Bereits am selben Abend haben wir das Projekt umrissen und uns Gedanken zur Idee dahinter bzw. zur Kernaussage gemacht. Diese konzeptionelle Phase haben wir im Grunde gerade erst abgeschlossen und erwarten gespannt ihre Materialisierung in Form des Prototyps. Die ursprüngliche Idee war mehr auf das Design ausgerichtet und hat sich erst im Laufe der Zeit zu einem konsequenten Konzept entwickelt. Insbesondere die Gespräche mit den zahlreichen Entscheidungsträgern – vor allem auf politischer Ebene – gaben dem Projekt dann einen neuen Stellenwert, mit dem wir im Vorfeld nicht gerechnet hatten. Das Spannende im Zuge dessen war unter anderem, mitzubekommen, wer welche Ideen von Mobilität mitbringt.
Und wie ist der Status quo?
Wir befinden uns in der Detailplanung. Design und Konzept sind abgeschlossen – augenblicklich finden Sondierungsgespräche mit Entscheidungsträgern und Abstimmungsgespräche auf Politebene statt, um Pilotprojekte zu organisieren. Wir sind quasi in der Endrunde des Projekts angekommen; wobei ich dem hinzufügen möchte, dass wir hier von unserer Solarversion, der sogenannten „Velobase solar“ sprechen, da die Produktgruppe ja inzwischen weitere Elemente umfasst. Unser Plan ist, daraus ein tragfähiges Unternehmen werden zu lassen. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen. Aus existenziellen Gründen sind wir nach wie vor als Architekten tätig, wenngleich auch der „Velobase“-Arbeitsaufwand für uns mittlerweile wesentlich größer als ursprünglich erwartet ist.
Welche Entwicklung nimmt Wien in Sachen Radverkehr? Welchen „Radweg“ nimmt die Stadt Ihrer Meinung nach?
Die Stadt Wien hat bekanntlich verkündet, dass sie den Radverkehrsanteil bis 2015 verdoppeln möchte. Ich glaube, dass ihr dabei noch nicht so bewusst ist, welche tatsächlichen Konsequenzen das haben wird. Mit der Verdoppelung der vorhandenen Rad- Infrastruktur ist unserer Ansicht nach das Ziel noch nicht erreicht. Man muss hier Quantität und Qualität verändern und verbessern sowie eine Strategie, die damit korrespondiert, fahren. Der Radfahrer der Zukunft hat andere Bedürfnisse, als wir sie heute vorfinden, auch in Bezug auf Repräsentation. Auf mich macht der politische Weg der quantitativen Erweiterung einen leicht abwartenden Eindruck. Man wartet auf Vorgaben, statt sie aktiv zu definieren. Auf der anderen Seite gibt es jede Menge Bewegung in Richtung „Smart City Wien“ (Anm. d. Red.: Im Rahmen von „Smart City Wien“ will die Stadt die Chance nutzen, eine führende Rolle in der Forschung und Technologieentwicklung Europas einzunehmen), und es tut sich sehr viel in der Stadt. Man greift unterschiedliche Konzepte wie zum Beispiel „E-Mobility on demand“ auf, bei denen man auslotet, was eine „Smart City“ eigentlich bedeutet, respektive welche Initiativen hierfür notwendig sind.
Wann wird die erste „Velobase“ in Wien stehen, kann man hier schon etwas sagen? Wenn ja: Wie viele werden im öffentlichen Raum installiert und wo sollen sie platziert werden?
Der Prototyp, vielleicht ein erstes Pilotprojekt, wird im Frühjahr 2012 in der Seestadt Aspern stehen. So viel kann ich konkret sagen. Andere Optionen müssen wir noch auswerten.
Wo liegen die optischen Besonderheiten bei der „Velobase“? Und wie sehen diese im Kontext „Stadt“ aus?
Wir fanden, dass es in Wien keine adäquaten Abstellmöglichkeiten für Räder aller Art gibt. Daran haben wir ganz zu Beginn angeknüpft, um uns eine optimierte Radbügel-Geometrie zu überlegen, die gleichzeitig Platz für zwei Räder bereitstellt, die einander gegenseitig nicht „behindern“. Diese haben wir mal als Projektbasis entwickelt und konzipiert. Im Zuge der ersten großen E-Bike-Welle wurde uns aber klar, dass eine neue Abstellmöglichkeit die ganze Rad-Community erfassen und somit auch ein Ladeservice beinhalten muss. Und nachdem sich die Fachleute ja immer schon einig waren, dass E-Mobility nur in Verbindung mit ressourcenschonender Energie sinnvoll ist, wollten wir mit einem dezentralen Solarkraftwerk ein Zeichen in diese Richtung setzen. Zum Design konkret: Wir haben es sehr klassisch gehalten. Prämisse war die Reduktion auf das Wesentliche, aber gleichzeitig eine elegante Erscheinungsform zu schaffen. Die Melange aus Reduktion und Signifikanz bringt es mit sich, dass sich das Objekt zurücknimmt und den Stadtraum durchfließen lässt. Es gibt keine störenden Wände, und die „Velobase“ erscheint als luftiges Tragwerk. Gemäß der architektonischen Maxime „Form follows function.“
Was ist der Club?
Events und Gewinnspiele
Videos

Größtes Denkmal Wiens
Mit Mathematiker Rudolf Taschner am Maria-Theresien-Platz.

Inspiration & Entspannung
Mit Wissenschaftlerin Renée Schroeder an der schönen Alten Donau.

Porträt: Renée Schroeder
Ob am Saxofon oder in der Forschung: Renée Schroeder trifft immer den richtigen Ton.

Unendliche Weiten
Wissenschafter Thomas Posch führt durch die Universitätssternwarte Wien.

Das Miniatur Tirolerland
1.000 Gebäude, 9.000 Bäume, 15.000 Figuren: Tirol im Kleinformat!

"Guter Grund"-Erde
Von der Biotonne in unsere Gärten. Der Weg zur Spitzenerde.
Das Interview

Neues aus der Drogenküche
Toxikologe Rainer Schmid im Gespräch.
Rätsel

Was ist das?
Obstschnitte, Fliegenpilz oder Mars-Gestein?
Bildergalerien

Wiener Mode
Das Wiener Label „Daoyin“ zeigt seine Kollektion.

Broken Rules
In der virtuellen Welt von Shadowrun.
And Yet it Moves
Wiener PC-Spiel: Abenteuer mit Papierfigur Andy
Meinung

Sigrid Neudecker-von Randow
Die Zukunft bitte, und zwar sofort!





